Fuß und Sprunggelenk

Juveniler Hallux valgus (Ballenzeh)

Kurz gesagt

Der juvenile Hallux valgus ist eine Fußfehlstellung, bei der die Großzehe zu den anderen Zehen hin abweicht und an ihrer Basis ein Vorsprung entsteht, der sogenannte Ballen. Er kann beschwerdefrei sein oder beim Gehen, beim Sport oder in bestimmten Schuhen schmerzen. Bleiben die Schmerzen bestehen und schränken den Alltag ein, gibt es operative Möglichkeiten zur Korrektur, darunter minimalinvasive perkutane Verfahren.

Typisches Alter
Kindheit und Jugend, besonders während des Wachstums
Auch bekannt als
Juveniler Ballenzeh · Ballenzeh bei Jugendlichen · Adoleszenter Hallux valgus · Bunion

Was ist das?

Der juvenile Hallux valgus ist eine Fehlstellung des Vorfußes, die in der Kindheit oder Jugend auftritt. Die Großzehe weicht zu den anderen Zehen hin ab, und der erste Mittelfußknochen, der die Zehe mit dem Mittelfuß verbindet, nimmt eine Stellung ein, durch die sein Kopf stärker hervortritt. Dieser Vorsprung ist der sogenannte Ballen. Es können ein oder beide Füße betroffen sein; häufig sind es beide.

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Familiäre Veranlagung und die Form der Fußknochen spielen eine wichtige Rolle. Auch Bandlaxität und bestimmte Merkmale der Fußbelastung können beitragen. Enge Schuhe können Druck und Beschwerden am Ballen verstärken, sind aber nicht die alleinige Ursache der Fehlstellung.

Meist wird das Problem während des Wachstums deutlicher. Manche Jugendliche haben kaum Beschwerden, andere haben Schmerzen, Rötungen durch Schuhdruck oder Schwierigkeiten bei bestimmten Sportarten. Der Verlauf ist unterschiedlich: Nicht jeder Ballenzeh schreitet fort und nicht jeder muss operiert werden.

Anders als beim Hallux valgus des Erwachsenen kann bei Jugendlichen noch Knochenwachstum ausstehen. Deshalb ist es vor einer Operation wichtig, die Skelettreife, die Stärke der Beschwerden und die Auswirkungen auf den Alltag zu beurteilen.

Woran Eltern es merken können

Die häufigsten Zeichen sind:

  • Abweichung der Großzehe: Sie scheint sich zur zweiten Zehe zu neigen, statt gerade zu stehen.
  • Vorsprung an der Zehenbasis: An der Innenseite des Fußes tritt eine Erhebung hervor.
  • Rötung oder Scheuerstellen: Die Haut kann durch den Kontakt mit dem Schuh gereizt werden.
  • Schmerzen beim Gehen oder Sport: Die Beschwerden können beim Laufen, Springen oder langen Stehen zunehmen.
  • Schwierigkeiten, bequeme Schuhe zu finden: Manche Schuhe drücken auf den Ballen und verursachen Schmerzen.
  • Veränderte Stellung der anderen Zehen: Bei stärkeren Fehlstellungen kann die Großzehe an die zweite Zehe heranrücken oder sie wegdrücken.

Ein Vorsprung allein bedeutet nicht unbedingt ein ernstes Problem. Achten sollte man vor allem auf Schmerzen, ein Fortschreiten der Fehlstellung und mögliche Einschränkungen.

Wann zum Facharzt?

Eine Untersuchung beim Kinderarzt oder bei einem auf Fuß und Sprunggelenk spezialisierten Orthopäden ist ratsam, wenn:

  • Der Jugendliche wiederkehrende Schmerzen am Großzehengrundgelenk hat.
  • Die Abweichung während des Wachstums zuzunehmen scheint.
  • Die Beschwerden Gehen, Sport oder das Tragen normaler Schuhe erschweren.
  • Häufig Scheuerstellen, Schwielen oder Probleme mit den Nachbarzehen auftreten.
  • Die Schmerzen trotz bequemer Schuhe und angepasster Aktivitäten fortbestehen.

Wann ist es dringend?

Der Hallux valgus entwickelt sich meist langsam und ist an sich kein Notfall. Eine dringende ärztliche Untersuchung ist jedoch ratsam bei plötzlichen starken Schmerzen, ausgeprägter Schwellung, deutlicher Rötung und Überwärmung, Fieber, Unfähigkeit, den Fuß zu belasten, oder wenn die Fehlstellung nach einer Verletzung auftritt. Diese Zeichen können auf ein anderes Problem hinweisen, das abgeklärt werden muss.

Wie wird es diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt über Krankengeschichte und körperliche Untersuchung. Der Facharzt fragt, wann die Beschwerden begonnen haben, ob es familiäre Fälle gibt, welche Aktivitäten Schmerzen auslösen und wie sich die Fehlstellung entwickelt hat.

Bei der Untersuchung werden die Stellung der Großzehe, der knöcherne Vorsprung, die Gelenkbeweglichkeit, die Flexibilität des Fußes sowie Schmerzen oder Veränderungen an den Nachbarzehen beurteilt. Bei Bedarf werden auch Fußbelastung, Schuhwerk und die Beweglichkeit anderer Gelenke untersucht.

Muss die Fehlstellung genauer beurteilt werden, können Röntgenaufnahmen beider Füße unter Belastung, also im Stehen, veranlasst werden. Damit lassen sich die Winkel zwischen den Knochen messen, die Gelenkstellung beurteilen und die Behandlung planen, falls ein Eingriff erwogen wird.

Nicht jeder Jugendliche braucht Bildgebung. Sie hängt von den Beschwerden, dem Befund und davon ab, ob eine Operation in Frage kommt.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Schmerzen, der funktionellen Einschränkung, dem Verlauf der Fehlstellung und dem verbleibenden Wachstum. Meist wird mit konservativen Maßnahmen begonnen.

Konservative Behandlung

Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und den Alltag zu erleichtern. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Geeignetes Schuhwerk: Schuhe mit ausreichender Weite im Vorfußbereich, die die Zehen nicht einengen und nicht am Ballen scheuern.
  • Anpassung der Aktivität: schmerzauslösende Aktivitäten vorübergehend reduzieren und je nach Verträglichkeit schrittweise wieder aufnehmen.
  • Einlagen: können bei einer begleitenden Fehlbelastung oder einer gezielten Indikation helfen, korrigieren aber die knöcherne Fehlstellung nicht allein.
  • Zehenspreizer oder Schienen: lindern in manchen Fällen das Scheuern oder verbessern den Komfort, garantieren aber nicht, dass der Ballenzeh nicht weiter fortschreitet.
  • Physiotherapie und Übungen: können bei ausgewählten Patienten Beweglichkeit, Funktion und Fußkontrolle verbessern.

Diese Maßnahmen korrigieren die Knochenstellung in der Regel nicht dauerhaft, können aber die Beschwerden kontrollieren und verhindern, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Ein sichtbarer Vorsprung allein ist kein Grund für eine Operation.

Operative Behandlung

Bei Kindern und Jugendlichen hängt die Wahl des Eingriffs vor allem vom verbleibenden Wachstum, der Stärke der Schmerzen und den Merkmalen der Fehlstellung ab. Es gibt keine Technik, die für alle Patienten passt. Bei manchen Kindern kann das Wachstum genutzt werden, um die Stellung schrittweise zu verbessern; bei ausgewählten Jugendlichen muss die Knochenstellung direkt korrigiert werden.

Laterale Hemiepiphyseodese der proximalen Wachstumsfuge des ersten Mittelfußknochens

Bei Kindern mit juvenilem Hallux valgus und noch ausstehendem Knochenwachstum gibt es ein Verfahren, das das Wachstum nutzt, um die Stellung der Großzehe schrittweise zu verbessern: die laterale Hemiepiphyseodese des ersten Mittelfußknochens.

Dabei wird das Wachstum auf der Außenseite der Wachstumsfuge (Physe) an der Basis des ersten Mittelfußknochens teilweise gebremst. Da beide Seiten des Knochens dann unterschiedlich wachsen, soll sich seine Ausrichtung allmählich ändern und der Winkel zwischen erstem und zweitem Mittelfußknochen kleiner werden.

Für wen kommt sie in Frage? Sie kann bei Kindern mit einer schmerzhaften oder fortschreitenden Fehlstellung erwogen werden, die noch ausreichend Wachstum vor sich haben. Das Lebensalter allein entscheidet nicht: Knochenreife und verbleibendes Wachstum müssen durch Untersuchung und geeignete Bildgebung beurteilt werden.

Welche Ergebnisse sind zu erwarten? Die Korrektur erfolgt schrittweise mit dem Wachstum des Kindes. Veröffentlichte Studien beschreiben Verbesserungen bei Schmerzen und Funktion sowie eine meist moderate Verringerung der radiologischen Winkel. Ziel kann daher sein, die Stellung zu verbessern und vor allem ein Fortschreiten des Ballenzehs zu begrenzen, ohne eine vollständige Korrektur zu garantieren.

Da das Verfahren vom Wachstum abhängt, lässt seine Wirksamkeit nach, wenn nur noch wenig Wachstum aussteht. Ein weiterer Eingriff kann nötig werden, wenn die Korrektur nicht ausreicht, eine Komplikation auftritt oder die Fehlstellung bestehen bleibt.

Klinische und radiologische Verlaufskontrollen sind unerlässlich, um den Verlauf zu überwachen, das Ansprechen zu prüfen und mögliche Probleme mit dem Implantat oder dem Wachstum zu erkennen.

Die Hemiepiphyseodese ist eine gezielte Option für ausgewählte Patienten und ersetzt nicht in jedem Fall die direkte knöcherne Korrektur. Die Entscheidung muss individuell nach Beschwerden, Fußanatomie und Skelettreife getroffen werden.

Literatur: Artioli E. et al. First Metatarsal Hemiepiphysiodesis for the Treatment of Juvenile Hallux Valgus: A Systematic Review. Journal of Pediatric Orthopaedics, 2023. Auf PubMed ansehen.

Perkutane Operation bei Jugendlichen: PECA und andere minimalinvasive Verfahren

Bleiben die Schmerzen trotz konservativer Behandlung bestehen und schränkt die Fehlstellung den Alltag ein, kann eine operative Korrektur erwogen werden. Bei Jugendlichen muss die Entscheidung individuell getroffen werden und Knochenreife, Schweregrad der Fehlstellung und Rezidivrisiko berücksichtigen.

Perkutane Verfahren korrigieren die Knochenstellung über kleine Schnitte unter Röntgenkontrolle während des Eingriffs. Ziel ist es, die Stellung der Großzehe zu verbessern, den schmerzhaften Vorsprung zu verkleinern und das Tragen von Schuhen sowie körperliche Aktivität zu erleichtern.

Die PECA-Technik (Percutaneous Chevron Akin) kombiniert zwei Eingriffe:

  • Chevron-Osteotomie des ersten Mittelfußknochens: verändert die Stellung des Mittelfußkopfes, um einen Teil der Abweichung zu korrigieren.
  • Akin-Osteotomie: korrigiert eine zusätzliche Abweichung des Grundglieds der Großzehe, wenn dies angezeigt ist.

Eine innere Fixierung hält die Korrektur, bis der Knochen verheilt ist. Der minimalinvasive Zugang hinterlässt meist kleine Narben; Erholung und Komplikationsrisiko hängen jedoch von Technik, Fixierung und den Merkmalen des einzelnen Patienten ab.

Centrolock ist ein perkutanes Korrektursystem, das eine Osteotomie des ersten Mittelfußknochens mit einem speziellen Fixationsimplantat kombiniert. Es soll die Korrektur der Mittelfußknochenstellung in mehreren Ebenen erleichtern und die Osteotomie stabil halten. Ob dieses System gewählt wird, hängt von der Anatomie, der Art der Fehlstellung und der Erfahrung des Operationsteams ab.

Auch wenn diese Verfahren bei der Korrektur des Hallux valgus gute Ergebnisse erzielen können, ist die Datenlage speziell bei Jugendlichen im Wachstum begrenzter als bei Erwachsenen. Sie sollten daher nicht nur deshalb gewählt werden, weil sie minimalinvasiv sind: Entscheidend sind eine sorgfältige Patientenauswahl und die Beurteilung der Reife der Wachstumsfugen.

Verlauf und Erholung

Die Erholung hängt von der angewandten Technik, der Stabilität der Fixierung und dem individuellen Verlauf ab.

  • Nach einer Hemiepiphyseodese: Regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen sind nötig, um die schrittweise Korrektur zu beurteilen und mögliche Komplikationen durch Implantat oder Wachstum zu erkennen.
  • Nach einer perkutanen Operation: Bei manchen Eingriffen ist eine frühe Belastung im Verbandsschuh möglich; die Vorgaben unterscheiden sich jedoch je nach Osteotomie und Fixierung.
  • Schule: ist meist früher möglich als Sport, sofern die Schmerzen kontrolliert sind und die Wege sicher bewältigt werden können.
  • Rückkehr zum Sport: erst nach ausreichender Knochenheilung und funktioneller Erholung. Den genauen Zeitpunkt legt der Facharzt bei den Kontrollen fest.

Zunehmende Schmerzen, deutliche Rötung, Wundsekretion, Fieber oder neue Schwierigkeiten beim Belasten des Fußes erfordern eine ärztliche Untersuchung.

Welche Technik ist am besten geeignet?

Die Entscheidung hängt nicht nur vom Lebensalter ab, sondern auch vom verbleibenden Wachstum und der genauen Form der Fehlstellung. Die Hemiepiphyseodese zielt darauf ab, das Wachstum zu lenken, und kann bei ausgewählten Patienten sinnvoll sein; perkutane Verfahren sollen die knöcherne Fehlstellung direkt korrigieren, wenn eine Operationsindikation besteht.

Die Untersuchung durch einen Spezialisten für Fuß und Sprunggelenk ermöglicht es, die Röntgenbilder zu beurteilen, die Skelettreife zu bestimmen und der Familie Nutzen, Grenzen und Risiken jeder Option zu erklären.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine fachärztliche Untersuchung. Wenn Sie sich Sorgen um den Fuß Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt oder vereinbaren Sie einen Termin.

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