Angeborene Fehlbildungen

Syndaktylie der Zehen

Kurz gesagt

Die Syndaktylie der Zehen ist eine angeborene Fehlbildung, bei der zwei oder mehr Zehen miteinander verbunden sind, meist über die Haut und manchmal auch über tiefere Gewebe oder Knochen. Sie ist relativ häufig und verursacht in den meisten Fällen weder Schmerzen noch Gangprobleme. Die Behandlung hängt von der Art der Verbindung, den Beschwerden und möglichen Begleitfehlbildungen ab.

Typisches Alter
Ab der Geburt
Auch bekannt als
Zusammengewachsene Zehen · Schwimmhautbildung der Zehen · Verwachsene Zehen

Was ist das?

Die Syndaktylie ist eine Entwicklungsstörung, die vor der Geburt entsteht, wenn sich die Zehen bei der Bildung des Fußes nicht vollständig trennen. Sie kann zwei oder mehr Zehen an einem oder beiden Füßen betreffen. Am häufigsten sind die zweite und dritte Zehe verbunden.

Es handelt sich um eine relativ häufige angeborene Fehlbildung. Die Syndaktylie der Zehen ist meist häufiger als die der Finger und tritt oft familiär auf. Sie kann isoliert ohne weitere Veränderungen vorkommen, ist manchmal aber Teil eines genetischen Syndroms oder mit anderen Fehlbildungen von Zehen und Fuß verbunden.

Je nach Ausdehnung und beteiligten Strukturen gibt es verschiedene Formen. Bei der einfachen Syndaktylie sind die Zehen nur über Haut und Weichteile verbunden. Bei der komplexen Syndaktylie können auch die Knochen verbunden oder in ihrer Entwicklung verändert sein. Die Verbindung kann partiell sein, wenn sie nur einen Teil der Zehen betrifft, oder komplett, wenn sie bis zu den Zehenspitzen reicht.

Bei den meisten Kindern ist die Syndaktylie der Zehen vor allem ein anatomisches und ästhetisches Merkmal, das das Gehen kaum beeinträchtigt. Erschwert sie jedoch das Tragen von Schuhen, verursacht Scheuerstellen oder geht mit anderen Fehlstellungen einher, kann eine fachärztliche Beurteilung nötig sein, um über eine Behandlung zu entscheiden.

Woran Eltern es merken können

Die häufigsten Zeichen sind:

  • Zwei oder mehr verbundene Zehen: Eine Hautverbindung zwischen den Zehen ist oft schon bei der Geburt sichtbar.
  • Hautbrücke zwischen den Zehen: Die verbindende Haut kann nur den Bereich nahe der Basis betreffen oder sich über die ganze Zehe erstrecken.
  • Ungewöhnlich aussehende Zehen: Die verbundenen Zehen können in Form oder Länge abweichen.
  • Nagelveränderungen: Manchmal sind Form oder Trennung der Nägel verändert.
  • Schwierigkeiten mit bestimmten Schuhen: besonders, wenn die Verbindung mit einer Fehlstellung einhergeht oder mehrere Zehen betrifft.
  • Scheuerstellen oder Hautreizungen: durch den Kontakt zwischen den Zehen oder den Druck der Schuhe.

Die einfache Syndaktylie ist meist schmerzlos und hindert das Kind nicht daran, normal zu gehen.

Wann zum Facharzt?

Ein Besuch beim Kinderarzt oder Kinderorthopäden ist ratsam, wenn:

  • Die Verbindung ausgedehnt ist oder mehrere Zehen betrifft.
  • Eine Begleitfehlstellung oder ein deutlicher Längenunterschied der Zehen besteht.
  • Das Kind Schmerzen, häufige Scheuerstellen oder Probleme mit Schuhen hat.
  • Die Syndaktylie mit zusätzlichen Zehen, Nagelveränderungen oder anderen Fußfehlbildungen einhergeht.
  • Andere angeborene Fehlbildungen oder eine familiäre Vorgeschichte eine umfassendere Abklärung nahelegen.
  • Die Familie sich über Möglichkeiten der operativen Korrektur informieren möchte.

Wann ist es dringend?

Eine isolierte angeborene Syndaktylie ist meist kein Notfall. Bei plötzlicher Schwellung, starken Schmerzen, Farb- oder Temperaturveränderungen der Zehen oder einer Hautverletzung mit Infektionszeichen ist eine ärztliche Untersuchung nötig.

Wie wird es diagnostiziert?

Die Diagnose wird meist durch die körperliche Untersuchung gestellt. Der Facharzt prüft, welche Zehen verbunden sind, wie weit die Verbindung reicht und ob die Beweglichkeit normal ist. Außerdem beurteilt er Nagelform, Zehenlänge, Fußachse und weitere Fehlbildungen.

Bei einfacher Syndaktylie ist Bildgebung meist nicht nötig. Besteht Verdacht auf eine knöcherne Verbindung, liegen deutliche Fehlstellungen vor oder wird eine Operation geplant, können Röntgenaufnahmen der Zehen und Mittelfußknochen sinnvoll sein.

Tritt die Syndaktylie zusammen mit anderen angeborenen Veränderungen auf, kann eine erweiterte Abklärung sinnvoll sein, um eine genetische Grunderkrankung auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung hängt von der Ausdehnung der Verbindung, den beteiligten Strukturen und möglichen Beschwerden ab.

Konservative Behandlung

Die meisten Kinder mit einfacher Syndaktylie der Zehen brauchen keine Behandlung. Sind die Zehen gut ausgerichtet, schmerzfrei und passen die Schuhe gut, genügt es, den Verlauf im Wachstum zu beobachten.

Konservative Maßnahmen können sein:

  • Bequeme Schuhe: mit genügend Platz für die Zehen, ohne unnötigen Druck.
  • Hautpflege: den Bereich der Verbindung sauber und trocken halten, um Reizungen zu vermeiden.
  • Klinische Kontrollen: die Entwicklung des Fußes verfolgen und mögliche funktionelle Probleme im Wachstum erkennen.

Einlagen oder Zehenspreizer sind bei isolierter Syndaktylie meist nicht nötig und trennen verbundene Zehen nicht dauerhaft.

Operative Behandlung

Eine Operation kann erwogen werden, wenn die Syndaktylie funktionelle Probleme, deutliche Schwierigkeiten mit Schuhen, wiederkehrende Reizungen oder eine Begleitfehlstellung verursacht, die eine Korrektur rechtfertigt. Auch aus ästhetischen Gründen kann sie in Frage kommen, nachdem der Familie Nutzen und Risiken erklärt wurden.

Bei dem Eingriff werden die Zehen meist mit einer Hautlappenplastik getrennt. Da die Haut oft nicht ausreicht, um die nach der Trennung freiliegenden Flächen zu bedecken, sind manchmal Hauttransplantate nötig. Die Technik hängt von der Ausdehnung der Verbindung und der Anatomie der Zehen ab.

Bei komplexer Syndaktylie mit knöcherner Verbindung können zusätzliche Eingriffe nötig sein. Bei Kindern erfolgt die Operation meist in Vollnarkose; die Entlassung ist je nach Eingriff und Situation am selben Tag oder nach kurzem Aufenthalt möglich.

Zu den Risiken gehören Wundheilungsstörungen, Infektionen, Narbenkontrakturen, unvollständige Trennung und die Notwendigkeit eines erneuten Eingriffs. Deshalb ist eine Operation nicht routinemäßig angezeigt, wenn die Verbindung keine Probleme macht.

Verlauf und Erholung

Der Verlauf der einfachen Syndaktylie ist meist günstig, besonders wenn keine weiteren Fußveränderungen vorliegen.

  • Ohne Operation: Das Kind kann in den meisten Fällen normal gehen, laufen und Sport treiben. Eine Ruhigstellung ist nicht nötig.
  • Nach der Operation: Meist wird ein Schutzverband angelegt, in manchen Fällen auch ein postoperativer Schuh oder eine vorübergehende Ruhigstellung.
  • Erste Wochen: Wundkontrolle, Überwachung der Heilung und Vermeidung von Druck auf die operierten Zehen.
  • Schule: hängt von den Schmerzen, der Art des Verbands und davon ab, ob sich das Kind sicher fortbewegen kann.
  • Rückkehr zum Sport: erst wenn die Wunde verheilt ist und der Facharzt Belastung und Aktivität freigibt.

Die erste Wundheilung dauert meist mehrere Wochen, die Narben reifen aber noch Monate nach. Die genauen Zeiträume hängen von der Ausdehnung der Syndaktylie und der Technik ab.

Die Kontrollen überwachen Wundheilung, Zehenbeweglichkeit und die Entwicklung der Narben im Wachstum.

Häufige Fragen

Beeinträchtigt die Syndaktylie der Zehen das Gehen?

In den meisten Fällen nicht. Kinder mit einfacher Syndaktylie gehen, laufen und treiben Sport meist ohne Einschränkungen.

Müssen die Zehen operativ getrennt werden?

Nicht immer. Verursacht die Verbindung weder Schmerzen noch Schuhprobleme oder Funktionsstörungen, ist eine Operation meist nicht nötig.

Ist Syndaktylie erblich?

Es kann eine familiäre Veranlagung bestehen, sie tritt aber auch bei Kindern ohne familiäre Vorgeschichte auf. Bei mehreren Begleitfehlbildungen kann eine weitere Abklärung sinnvoll sein.

Kann sie sich mit dem Wachstum von selbst korrigieren?

Angeboren verbundene Zehen trennen sich in der Regel nicht von selbst. Verursacht die Syndaktylie keine Probleme, braucht sie aber unter Umständen keine Behandlung.

Bleiben nach der Operation Narben?

Ja. Für die Trennung muss die Haut zwischen den Zehen rekonstruiert werden, daher bleiben Narben. Die Operationstechnik zielt auf eine funktionelle Trennung und eine ausreichende Hautdeckung bei möglichst wenig Komplikationen.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine fachärztliche Untersuchung. Wenn Sie sich Sorgen um den Fuß Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt oder vereinbaren Sie einen Termin.

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