Angeborene Fehlbildungen

Überlappende Zehen und Krallenzehen

Kurz gesagt

Überlappende Zehen und Krallenzehen sind Fehlstellungen der Zehen, die von Geburt an bestehen oder im Wachstum deutlicher werden können. Bei überlappenden Zehen krümmt oder dreht sich eine Zehe oder liegt unter bzw. über der Nachbarzehe; bei Krallenzehen sind die Gelenke einer oder mehrerer Zehen abnorm gebeugt. Sie sind häufig und verursachen in vielen Fällen weder Schmerzen noch müssen sie behandelt werden.

Typisches Alter
Ab der Geburt; manche werden in den ersten Jahren deutlicher
Auch bekannt als
Curly Toes · Gekrümmte Zehen · Klinodaktylie des Fußes · Über- oder unterlagernde Zehen

Was ist das?

Die Zehen können im Laufe der Entwicklung verschiedene Fehlstellungen aufweisen. Manche bestehen von Geburt an und hängen mit der Lage des Babys in der Gebärmutter, der Form der Sehnen oder einer familiären Veranlagung zusammen. Andere werden erst mit dem Wachstum sichtbar.

Überlappende Zehen oder Curly Toes betreffen meist die kleinen Zehen, vor allem die vierte und fünfte. Die Zehe krümmt und dreht sich, häufig nach unten und innen, sodass sie teilweise unter der Nachbarzehe liegen kann. In anderen Fällen liegt eine Zehe über einer anderen; man spricht dann von einer überlagernden Zehe.

Bei Krallenzehen sind die Zehengelenke übermäßig gebeugt, wodurch die Zehen gekrümmt aussehen. Es können eine oder mehrere Zehen betroffen sein, und die Fehlstellung kann flexibel oder steif sein. Krallenzehen können isoliert auftreten. Sind jedoch mehrere Zehen betroffen, nimmt die Fehlstellung zu oder bestehen weitere Fußveränderungen, sollte geprüft werden, ob ein muskuläres Ungleichgewicht oder eine neurologische Ursache vorliegt.

Diese Fehlstellungen können erblich sein, und manchmal haben mehrere Familienmitglieder ähnlich aussehende Zehen. Viele leichte, flexible Fehlstellungen bessern sich in den ersten Lebensjahren von selbst. Der Verlauf hängt von der Art der Fehlstellung, ihrer Flexibilität und davon ab, ob Beschwerden bestehen.

Woran Eltern es merken können

  • Eine Zehe wirkt gekrümmt, verdreht oder liegt unter bzw. über der Nachbarzehe.
  • Die kleine Zehe wirkt kürzer oder ist teilweise unter der nächsten versteckt.
  • Mehrere Zehen sind eingekrümmt, mit gebeugten Gelenken.
  • Das Kind findet schwer bequeme Schuhe oder klagt beim Tragen.
  • An Stellen, an denen die Zehen aneinander oder am Schuh reiben, entstehen Rötungen, Schwielen oder Hühneraugen.
  • Die Fehlstellung wird mit dem Wachstum deutlicher oder scheint immer steifer.
  • Das Kind hat Schmerzen beim Gehen, Laufen oder Sport.

Wann zum Facharzt?

Ein Kinderorthopäde sollte aufgesucht werden, wenn die Fehlstellung ausgeprägt ist, sich mit dem Wachstum nicht bessert oder Beschwerden verursacht.

Besonders wichtig ist eine Untersuchung, wenn:

  • Die Zehe sich nicht sanft gerade stellen lässt.
  • Die Fehlstellung zunehmend schlimmer wird.
  • Schmerzen, Schwielen, Wunden oder häufige Reibung auftreten.
  • Das Kind normale Schuhe kaum tragen oder nicht normal gehen kann.
  • Mehrere Zehen betroffen sind oder Muskelschwäche, Gangauffälligkeiten oder eine neurologische Vorerkrankung bestehen.

Wann ist es dringend?

Diese Fehlstellungen sind in der Regel nicht dringend. Eine Zehe, die plötzlich ihre Farbe ändert, kalt wird oder stark schmerzt, muss jedoch dringend ärztlich untersucht werden.

Wie wird es diagnostiziert?

Die Diagnose wird hauptsächlich durch die klinische Untersuchung gestellt. Der Facharzt beurteilt die Stellung der Zehen, die Ausrichtung des Vorfußes und wie das Kind den Fuß beim Gehen aufsetzt.

Außerdem prüft er, ob die Fehlstellung flexibel ist – also ob sich die Zehe mit der Hand sanft korrigieren lässt – oder steif. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Wahl der Behandlung.

In typischen Fällen sind keine bildgebenden Untersuchungen nötig. Röntgenaufnahmen können bei anhaltenden Schmerzen, deutlicher Steifigkeit, komplexen Fehlstellungen oder Verdacht auf Knochenveränderungen angefertigt werden. Betreffen Krallenzehen mehrere Zehen und bestehen weitere klinische Zeichen, kann eine Abklärung neuromuskulärer Ursachen nötig sein.

Behandlung

Konservative Behandlung

Die meisten leichten, flexiblen überlappenden Zehen müssen nicht operiert werden. Viele bessern sich in den ersten Lebensjahren von selbst, während der Fuß wächst.

Zu den konservativen Maßnahmen gehören:

  • Beobachtung: Verlaufskontrolle, besonders wenn die Fehlstellung flexibel ist und keine Beschwerden macht.
  • Geeignetes Schuhwerk: Schuhe mit genügend Platz für die Zehen, die sie weder einengen noch in eine abnorme Stellung zwingen.
  • Sanfte Mobilisation: In manchen Fällen kann der Facharzt sanfte Übungen zur Erhaltung der Beweglichkeit empfehlen, ohne die Zehe zu zwingen.
  • Zehenspreizer oder Korrekturhilfen: Sie können gezielt eingesetzt werden, wenn sie die Stellung verbessern und für das Kind angenehm sind. Ihr Nutzen hängt von der Art der Fehlstellung ab, eine dauerhafte Korrektur garantieren sie nicht.

Die Zehen sollten nicht gewaltsam gerichtet und keine Hilfsmittel verwendet werden, die Schmerzen, Druckstellen oder Wunden verursachen.

Bei Krallenzehen richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Sind sie flexibel und beschwerdefrei, kann es genügen, den Verlauf zu beobachten und enge Schuhe zu vermeiden. Bei muskulären oder neurologischen Störungen muss die Behandlung an die Grunderkrankung angepasst werden.

Operative Behandlung

Eine Operation ist Fällen vorbehalten, in denen die Fehlstellung bestehen bleibt, steif ist oder Beschwerden macht, vor allem bei Schmerzen, Hautverletzungen oder Problemen mit Schuhen.

Bei überlappenden Zehen bzw. Curly Toes ist eine der angewandten Techniken die Tenotomie der Beugesehne, bei der die Sehne gelöst wird, die die Zehe gekrümmt hält. Je nach Fehlstellung können weitere Eingriffe nötig sein, um die Drehung oder Stellung der Zehe zu korrigieren.

Bei überlagernden Zehen oder Krallenzehen hängt die Technik von den betroffenen Gelenken, der Flexibilität der Zehe und der Ursache der Fehlstellung ab. Bei manchen Kindern muss das Gleichgewicht der Sehnen korrigiert oder an den Gelenken operiert werden.

Der Eingriff erfolgt meist unter einer dem Alter des Kindes und dem Eingriff angepassten Narkose. Viele einfache Korrekturen sind ambulant möglich, ohne Übernachtung im Krankenhaus. Technik und Zeitpunkt der Operation werden individuell festgelegt.

Verlauf und Erholung

Bei leichten, flexiblen Fehlstellungen ist die Prognose meist gut. Viele überlappende Zehen bessern sich im Kindesalter von selbst, während sich steife Fehlstellungen seltener von allein korrigieren.

Nach einem einfachen Eingriff verläuft die Erholung meist recht schnell:

  • Die ersten zwei Wochen: Schutz des operierten Bereichs, Wundpflege und Kontrolle der Schwellung.
  • Nach 2 bis 4 Wochen: Kontrolle und gegebenenfalls Entfernung von Fäden oder Verbänden, je nach Technik.
  • Belastung und Schuhwerk: Nach vielen kleineren Eingriffen ist eine frühe Belastung in einem postoperativen Schuh nach Anweisung des Facharztes erlaubt.
  • Schule: meist nach wenigen Tagen oder etwa einer Woche, je nach Beschwerden und Schutzbedarf des Fußes.
  • Sport: wird meist nach einigen Wochen schrittweise wieder aufgenommen, wenn die Wunde verheilt ist und die Zehe schmerzfrei belastet werden kann. Der genaue Zeitraum hängt vom Eingriff ab.

Bei einfachen Korrekturen ist meist kein Gips nötig. Komplexere Fehlstellungen können einen längeren Schutz erfordern.

Bei den Kontrollen werden Stellung der Zehe, Wundheilung und funktionelle Entwicklung überprüft. Auch wenn die Ergebnisse meist zufriedenstellend sind, können manche Fehlstellungen bestehen bleiben oder wiederkehren; Erwartungen und Nachsorge sollten daher individuell abgestimmt werden.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine fachärztliche Untersuchung. Wenn Sie sich Sorgen um den Fuß Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt oder vereinbaren Sie einen Termin.

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