Plantarfasziitis bei Kindern und Jugendlichen
Die Plantarfasziitis ist eine Ursache für Schmerzen an der Fußsohle, vor allem in der Nähe der Ferse. Die Plantarfaszie ist ein kräftiges Gewebeband, das die Ferse mit dem Vorfuß verbindet und das Fußgewölbe stützt. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann sie durch sportliche Überlastung oder verkürzte Wadenmuskulatur entstehen. Die Behandlung ist in der Regel konservativ.
- Typisches Alter
- Jugendliche und junge Sportler; seltener bei kleinen Kindern
- Auch bekannt als
- Plantarer Fersenschmerz · Plantare Fasziopathie · Entzündung der Plantarfaszie
Was ist das?
Die Plantarfaszie ist eine Struktur aus faserigem Gewebe, die von der Unterseite des Fersenbeins (Kalkaneus) bis zum Vorfuß reicht. Sie hilft, das Fußgewölbe zu erhalten, und unterstützt den Fuß dabei, Kräfte beim Gehen, Laufen und Springen aufzunehmen und weiterzuleiten.
Eine Plantarfasziitis entsteht, wenn diese Struktur überlastet wird und schmerzt, meist an ihrem Ansatz an der Ferse. Obwohl traditionell von einer Entzündung gesprochen wird, können bei anhaltenden Beschwerden auch degenerative Veränderungen und eine verminderte Belastbarkeit des Gewebes eine Rolle spielen.
Bei Kindern und Jugendlichen ist sie seltener als bei Erwachsenen. Sie kann bei jungen Menschen auftreten, die Sportarten mit Laufen und Springen betreiben, vor allem nach einer plötzlichen Steigerung von Trainingsintensität oder -häufigkeit. Eine verkürzte Achillessehne und Wadenmuskulatur sowie bestimmte biomechanische Faktoren können zu den Beschwerden beitragen.
Wichtig ist die Abgrenzung von anderen wachstumsbedingten Ursachen für Fersenschmerzen, insbesondere dem Morbus Sever, der die Wachstumszone des Fersenbeins betrifft. Beide können Schmerzen in einem benachbarten Bereich verursachen, doch Ursache und klinischer Befund unterscheiden sich.
Woran Eltern es merken können
Die häufigsten Beschwerden sind:
- Schmerzen unter der Ferse oder an der Innenseite der Fußsohle.
- Beschwerden bei den ersten Schritten am Morgen oder nach längerem Sitzen.
- Schmerzen, die beim Laufen, Springen oder langen Gehen wiederkehren oder zunehmen.
- Druckschmerz am Ansatz der Plantarfaszie an der Ferse.
- Steifigkeit oder Spannungsgefühl in der Fußsohle und an der Wade.
- Das Kind muss den Sport wegen der Beschwerden einschränken.
Bei manchen Jugendlichen bessern sich die Schmerzen, sobald sie ein paar Schritte gegangen sind, und nehmen nach längerer Aktivität wieder zu. Halten die Beschwerden an, können sie sowohl den Sport als auch den Alltag einschränken.
Wann zum Facharzt?
Eine Untersuchung durch einen Facharzt für Kinderorthopädie ist ratsam, wenn die Schmerzen anhalten, häufig wiederkehren oder den Sport einschränken.
Gehen Sie besonders dann zum Arzt, wenn:
- Die Schmerzen sich nach vorübergehender Schonung nicht bessern.
- Der Jugendliche hinkt oder den Fuß schlecht belasten kann.
- Die Beschwerden auch in Ruhe oder nachts auftreten.
- Eine deutliche Schwellung, Rötung oder Überwärmung besteht.
- Die Schmerzen plötzlich nach einer Verletzung beginnen.
- Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl oder starke, zunehmende Schmerzen bestehen.
Wann ist es dringend?
Kann das Kind den Fuß nicht belasten oder hat es nach einer Verletzung starke Schmerzen, sollte es dringend ärztlich untersucht werden, um einen Bruch oder eine andere schwere Verletzung auszuschließen.
Wie wird es diagnostiziert?
Die Diagnose beruht vor allem auf der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung. Der Facharzt fragt, wo die Schmerzen auftreten, seit wann sie bestehen, welchen Sport das Kind treibt und wie sich die Beschwerden bei Belastung und in Ruhe verändern.
Bei der Untersuchung wird der Ansatz der Plantarfaszie an der Ferse abgetastet, die Beweglichkeit des Sprunggelenks und die Spannung der Achillessehne beurteilt sowie Fußform und Gangbild beobachtet.
Bildgebung ist nicht immer nötig. Ist das Beschwerdebild typisch und passt der Befund dazu, kann die klinische Untersuchung ausreichen. Bei anhaltenden Schmerzen, untypischen Beschwerden oder Verdacht auf eine andere Verletzung können Röntgenaufnahmen oder ein Ultraschall veranlasst werden. Die MRT ist ausgewählten Situationen vorbehalten, in denen andere mögliche Ursachen abgeklärt werden müssen.
Im Kindesalter ist es besonders wichtig, Morbus Sever, knöcherne Überlastungsschäden und andere Ursachen für Fersenschmerzen auszuschließen, bevor die Beschwerden einer Plantarfasziitis zugeschrieben werden.
Behandlung
Konservative Behandlung
Die meisten Fälle bessern sich mit konservativen Maßnahmen. Ziel ist es, die Belastung der Plantarfaszie zu verringern und die Belastbarkeit schrittweise wiederherzustellen.
1. Anpassung der sportlichen Aktivität
Laufen, Springen und schmerzauslösende Aktivitäten sollten vorübergehend reduziert werden. Nicht immer muss der Sport ganz pausieren: Alternative Aktivitäten ohne Beschwerden können beibehalten werden.
2. Dehnung
Sanftes Dehnen der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur kann helfen, die Spannung an der Ferse zu verringern. Die Dehnungen sollten schrittweise und ohne starke Schmerzen erfolgen.
3. Physiotherapie
Die Physiotherapie kann Beweglichkeitsübungen, Dehnungen, die Kräftigung der Fuß- und Beinmuskulatur und eine kontrollierte Steigerung der sportlichen Belastung umfassen. Bei anhaltenden Beschwerden kann der Physiotherapeut je nach Befund und Patient ergänzende Behandlungen erwägen.
4. Schuhwerk und Einlagen
Empfohlen werden bequeme Schuhe mit guter Dämpfung und angemessenem Halt. Barfußgehen auf harten Böden zu vermeiden, kann helfen, wenn die Schmerzen zunehmen.
Fersenkissen oder Einlagen können bei manchen Patienten nützlich sein, vor allem bei begleitenden biomechanischen Faktoren. Sie sind nicht routinemäßig nötig und sollten individuell angepasst werden.
5. Lokales Kühlen
Kühlen, in ein Tuch gewickelt, für etwa 10–15 Minuten kann die Beschwerden nach der Aktivität lindern. Eis sollte nie direkt auf die Haut gelegt werden.
6. Ergänzende Behandlungen
Bestehen die Schmerzen trotz der üblichen Maßnahmen fort, sollten Diagnose und Rehabilitationsprogramm überprüft werden. Einige physikalische Verfahren können im Einzelfall erwogen werden, doch die Datenlage speziell bei Kindern ist begrenzt und nicht alle haben einen klaren Nutzen gezeigt.
Die Stoßwellentherapie ist bei Kindern keine übliche Erstbehandlung und sollte, wenn überhaupt, ausgewählten Fällen nach fachärztlicher Beurteilung vorbehalten bleiben.
Operative Behandlung
Eine Operation ist bei Kindern und Jugendlichen mit Plantarfasziitis die Ausnahme. Vor einem Eingriff müssen die Diagnose gesichert und eine fachgerecht durchgeführte konservative Behandlung über einen ausreichenden Zeitraum erfolglos geblieben sein.
In sehr ausgewählten, hartnäckigen Fällen können Eingriffe an der Plantarfaszie oder an Strukturen, die zu einer übermäßigen Spannung beitragen, erwogen werden; bei der großen Mehrheit der Patienten im Wachstum sind sie jedoch nicht nötig. Die Entscheidung muss individuell getroffen werden und Skelettreife, Schmerzursache und die Risiken jedes Eingriffs berücksichtigen.
Verlauf und Erholung
Die Prognose ist in der Regel gut, auch wenn die Erholung schrittweise verlaufen kann. Wie lange sie dauert, hängt von der Stärke der Beschwerden, davon, wie lange die Schmerzen schon bestehen, und von der Möglichkeit ab, den Sport anzupassen.
Als allgemeine Orientierung:
- Die ersten 2–3 Wochen: Anpassung der Aktivität, schmerzlindernde Maßnahmen und Beginn sanfter Übungen.
- In den folgenden 4–8 Wochen: Steigerung der Beweglichkeits- und Kräftigungsübungen je nach Ansprechen.
- Schule: kann meist normal weiterlaufen, solange das Kind bequem gehen kann.
- Rückkehr zum Sport: wenn der Jugendliche schmerzfrei geht, Lauf- und Sprungübungen verträgt und nach der Aktivität keine Zunahme der Beschwerden hat.
Manche Fälle bessern sich innerhalb weniger Wochen, hartnäckige Verläufe können mehrere Monate Behandlung und Kontrollen erfordern.
Die Rückkehr zum Sport sollte schrittweise erfolgen. Kehren die Schmerzen bei steigender Trainingsintensität zurück, sollte die Belastung vorübergehend reduziert und der Aufbau mit dem Facharzt besprochen werden.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine fachärztliche Untersuchung. Wenn Sie sich Sorgen um den Fuß Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt oder vereinbaren Sie einen Termin.